Das städtische Wohnhaus hat seine
Wurzeln im Bauernhaus. Der Bürger verstand es, sein Wohnhaus vor allem den
besonderen Bedingungen seines Berufes anzupassen. Daneben blieb aber die alte
fränkische Hofanlage, bei der Wohnhaus, Scheune und Stallungen um den Hof
gruppiert waren, erhalten.
Den sozialen Status des Bauherrn erkennt man an der Verwendung des Dekors. In
Wernigerode unterscheiden sich beispielsweise die aufwendig verzierten Häuser
der reichen Handelsherren in der breiten Straße von den der Tagelöhner in der
Hinterstraße.
Dem Grundtypus des Fachwerkhauses entspricht der wahrscheinlich älteste
erhaltene deutsche Langständerbau in Quedlinburg (Wordgasse 3). Hier sind die
Ständer von der Grundschwelle bis zum Dachsparren durchlaufend, der Ständer ist
also jeweils in der Grundschwelle und und in den Sparren verzapft. Eingefügte
Querhölzer (Riegel) unterstützen die lotrechte Stellung. Die Versteifung des
Gesamtraums wird durch eingezapfte Balken verstärkt, die als Dielenauflager
dienen.
Eine Weiterentwicklung des Ständerbaus ist der Stockwerk oder Rähmbau. Im
Stockwerkbau werden die Stiele von der auf einem niedrigen Steinsockel liegenden
Grundschwelle nicht bis zum Dachsparren hinaufgeführt, sondern auf Geschosshöhe
gekürzt.